Warum sind Zuschüsse für Sportvereine eigentlich "freiwillige Leistungen"?
Sportbund appelliert an Politiker

 

Seit dem Jahr 2013 erhalten Sportvereine, die eigene Anlagen unterhalten und aktive Jugendarbeit betreiben, jährliche  städtische Zuschüsse. Die Kriterien für die Höhe der Zuschüsse hatte damals der Sportbund Rüsselsheim gemeinsam mit seinen Mitgliedsvereinen erarbeitet. Der Gesamtbetrag der Zuschüsse wurde festgeschrieben, hat sich allerdings durch jährliche prozentuale Kürzungen auf zurzeit 90 000 Euro reduziert – ein Betrag, den zwei der Oberbürgermeister-Kandidaten bei einer Anhörung vor der Wahl als deutlich zu niedrig definierten. 

Jetzt sollen, mit der Begründung, dass freiwillige städtische Leistungen wegen des noch nicht genehmigten Haushaltes in diesem Jahr nicht ausgezahlt werden dürfen, den Sportvereinen nicht einmal diese 90 000 Euro ausgezahlt werden. Damit trifft man ausgerechnet jene Vereine, die sich erstens  in ihrer täglichen ehrenamtlichen Arbeit besonders intensiv dafür einsetzen, dass Rüsselsheimer Kinder und Jugendliche kompetent angeleiteten Sport treiben können, und zweitens die Sportinfrastruktur der Stadt durch eigene Anlagen und deren Unterhaltung und Pflege in nicht geringem Ausmaß bereichern.

Als Dachverband von 56 Rüsselsheimer Sportvereinen, die rund 80 Prozent der organisierten Sportlerinnen und Sportler der Stadt als Mitglieder betreuen, können wir eine solche Maßnahme nicht hinnehmen.

Zusätzlich zu den durch die Streichung resultierenden finanziellen Problemen einzelner Vereine verstehen wir auch nicht, dass mit der Aufnahme des Sports als Staatsziel in die Hessische Verfassung es versäumt wurde, die sogenannte „freiwillige Leistung“ der Förderung des Sports umzuwandeln in eine Pflichtaufgabe. Wir wissen uns in dieser Beurteilung einig mit dem Landessportbund Hessen. „Es nutzt nichts, wenn die Gemeindevertreter einer Kommune eine Sportförderung beschließen, diese dann aber im Nachgang von der Kommunalaufsicht mit der Begründung, es handele sich um freiwillige Leistungen, wieder rückgängig gemacht wird . . . Für uns ist die Sportförderung eindeutig eine Pflichtaufgabe“, betonte Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes.

Es stünde Rüsselsheim, das sich so gerne als Sportstadt präsentiert, gut zu Gesicht, dieser Argumentation zu folgen und damit einen wesentlichen Beitrag zu leisten für eine aktive Gesundheitspolitik, eine unbestritten wichtige Arbeit für das soziale Miteinander in der Bürgergesellschaft, die Inklusion von Menschen mit Behinderung und nicht zuletzt die Integration von Migranten, die in unserer Stadt eine temporäre oder langfristige Zuflucht gefunden haben.